and other voices

Frauen ficken nicht, Frauen machen Liebe

Guillaume_SeignacMademoiselle DuChamps hat etwas geschrieben, das für einige sexistisch klingen mag, verallgemeinernd, männerverachtend. Dabei liebt die DuChamps nichts so sehr wie Männer. Über die Probleme einer heterosexuellen Frau in Zeiten der Geilheit.

Hier geht’s um Tatsachen, meine Tatsachen. Meine Erfahrungen mit Männern und mit Frauen und mit den nervtötenden und unnötigen Balz-Ritualen, die wir schon als Kinder antrainiert bekommen und die sich in der Jugend festigen, wenn sie dir Schlampe nachrufen, weil du dich anders verhalten hast, als man es von dir erwartet hat, und die wir dann nie wieder so richtig los bekommen. Ja, ich verallgemeinere. Denkt euch einfach vor jedem Männer und jedem Frauen ein meiste oder ganz viele, wenn ihr euch dann besser fühlt. Andererseits: Nach mehr als 15 Jahren sexueller Aktivität und einer Zahl, die ich nicht kenne, die aber sicher im dreistelligen Bereich liegt, finde ich, dass ich durchaus verallgemeinern darf.

Wir Frauen hatten es noch nie leicht, das steht fest. Und verglichen mit den Bürden der Frauen vergangener Jahrzehnte, Jahrhunderte, ja, dem Frausein seit jeher, scheint meine Last geradezu lächerlich und dennoch: Ich stelle die Behauptung auf, dass die sexuell offene, heterosexuelle Frau die Verliererin unserer Zeit ist.

Vielleicht kommt diese Erkenntnis unter anderem dadurch, dass der Löwenanteil meines Freundeskreises aus schwulen Männern besteht. Dass ich mich hauptsächlich in schwulen Clubs und generell schwulen Kreisen herumtreibe. Einerseits hört man dann oft ein brauchste dich nicht wundern, wenn du nie einen abkriegst… – was im Übrigen nicht stimmt. Ich bekomme in Schwulenclubs durchaus ab und an einen ab, seien es verirrte Heteros oder neugierige Homos. Das ist nicht das Problem.

Das Problem ist, dass mir hier meine Wunschvorstellung vorgelebt wird. Hier sehe ich Samstag für Samstag, wie einfach es sein kann, einen Schwanz zu finden. Vorausgesetzt, man ist Mann, sexy und schwul, versteht sich. Die schwule Promiskuität beschränkt sich dabei nicht auf Clubs und auch nicht aufs Wochenende, nein. Für zwischendurch sucht man sich was Leckeres bei Grindr, Hornet und Scruff und überall sind attraktive Jungs sofort verfügbar, nur 300 Meter entfernt sitzen sie nackt in ihrem Bett und warten. Suchen, klicken, Schuhe an, rüber laufen, ficken und nach einer Stunde liegt man wieder im eigenen Bett und schläft zufrieden ein. So läuft es, ich weiß es. Jeden Tag. Für Heterosexuelle undenkbar.

Francisco_de_Goya_The Nude_MajaKlar, wir haben Tinder und OkCupid, beides ganz nette kleine Spielzeuge. Bei Tinder wischt man gelangweilt nach rechts und links, je nach Attraktivität. Und wenn man zufällig jemanden sieht, den man kennt, dann kichert man ein bisschen und wenn’s ein Match ist, dann fühlt sich das Ego wieder super, aber mehr tut sich da nicht. OkCupid hat witzige Fragen und Psychotests und die Typen schreiben mir: Wow, wir haben 92% Übereinstimmung, wir sind füreinander geschaffen und dann denke ich mir nur: Ja Hase, ich habe mit ungefähr jedem Mann hier über 90 Prozent, denn ich stehe auf Ficken und Musik und ich bin witzig und hasse die Welt, das sind wohl alles Dinge, die viele Männer – zumindest bei OkCupid – mit mir teilen.

Aber ich will dort niemanden finden, der für mich geschaffen ist. Ich will jemanden, der heiß ist und mich heiß findet und mir schreibt: Scheiß auf Matching Scores, ich bin zuhause und geil, kommst du rum?, aber so funktioniert es einfach nicht. Heterosexuelle wollen anscheinend keinen unverbindlichen Sex, zumindest darf es keiner vorher wissen, nicht mal die andere potentiell beteiligte Person.

Wir, also die Mädchen, sind von klein auf darauf getrimmt, brav und sittsam zu sein. Wir möchten bitte keinen Sex mit irgendwem, dessen Namen wir nicht kennen. Ist ja auch gefährlich sowas; was da alles passieren kann…! Wir wollen eigentlich auch lieber keine One-Night-Stands. Machen wir nicht, gehört sich nicht.

Vielleicht mal als Ausrutscher. Und dann erzählen wir es ganz beschämt unseren Freundinnen und fühlen uns irgendwie cool und verrucht und sexy und das darf aber auf keinen Fall die Runde machen! Weil eigentlich wollen wir nur feste Beziehungen und ganz viel Liebe und kuscheln und Sachen wie Blowjobs und Analsex machen wir nur ganz selten und auch nur in Beziehungen und dann auch eher, um den Männern einen Gefallen zu tun.

François_BoucherJa, tatsächlich ist das auch im Jahr 2014 noch immer in vielen Köpfen unserer Gesellschaft. Selbst in ansonsten offenen Runden, wo man mit One-Night-Stands keine Nutten-Punkte mehr sammeln kann, herrscht betretenes Schweigen, wenn ich erzähle, dass ich keine Ahnung habe, wie der Typ hieß, mit dem ich gestern auf dem Klo rumgemacht habe und dass es mich auch gar nicht interessiert. Wenn ich dann vielleicht noch richtig mutig bin und andeute, dass ich auf unmoralische Praktiken und perverses Zeug stehe, fühle ich mich, als hätte ich plötzlich ein riesiges, rotes A auf der Brust stehen. Wenn ich sage, dass ich gerne Sex habe wie ein Mann. Ohne Blümchen, ohne Frühstück – und ohne Liebe.

Einfach nur ficken. Das sagt man nicht, nicht als Frau. Männer dürfen das und Männer gelten im Jahr 2014 auch immer noch als dauergeil und allzeit bereit. Daraus müsste ja zu schließen sein, dass ich problemlos jeden Abend zehn Kerle finden kann, die mich flachlegen wollen. Dass Tinder und OkCupid explodieren müssten bei einer Frau, die einfach nur Sex will, die schon vorher klar macht, dass sie danach nicht rumnervt und stalkt.

Und da ist die Crüx: Männer – und ja, ich verallgemeinere hier, ganz einfach deshalb, weil die Ausnahmen so rar sind, dass sie nicht ins Gewicht fallen – Männer wollen begehrt werden – und angehimmelt. Prinzipiell immer, deshalb wollen sie dicke Autos und tolle, gut bezahlte Jobs und Muskeln und Gitarren. Damit die Mädchen aus großen Augen zu ihnen aufschauen und es nicht fassen können, wie unglaublich toll und beeindruckend sie sind.

Männer wollen vielleicht nichts Ernstes und sie wollen am nächsten Tag auch nicht anrufen, eigentlich wollen sie gar nie anrufen und sie wollen eigentlich auch einfach nur ein bisschen vögeln, sich dann anziehen und nach Hause fahren. Aber dabei wollen sie sich stets die Illusion bewahren, dass sie so geil sind, so dermaßen toll und beeindruckend und dass sie es dir so krass besorgen können und oh mein Gott, das ist der größte Schwanz, den ich je gesehen habe, dass du dich für immer unsterblich in sie verlieben würdest, wenn sie dich denn ließen.

Sie wollen bestimmen und sie wollen entscheiden und sie wollen keine Frau, bei der von vornherein klar ist, dass es nur um Sex geht. Sie wollen hinterher an der Tür stehen und mit schuldbewusster Miene sagen: Du, das war jetzt aber ’ne einmalige Nummer, das ist dir klar, ne? Ich glaube, fast jede auch-außerhalb-von-Beziehungen-fickende Frau hat das so oder so ähnlich schon mal gehört. Wir reagieren darauf mit einem Kopfschütteln und sehen plötzlich einen lächerlichen Knirps vor uns, den wir niemals in uns rein gelassen hätten, hätten wir das denn früher gewusst. Aber genau den Satz zu einem Mann gesagt ist der Tod jedes männlichen Egos, Garantie drauf, ich hab’s probiert.

Guillaume_Seignac_The_awakeningWenn ich also wieder ungebumst zuhause sitze oder noch schlimmer: wenn ein Sex-Date in Aussicht war und kurz vor knapp abgesagt wurde (was ungefähr fast jedes Mal passiert) und ich – geduscht, rasiert, geschminkt, lecker duftend, hübsch angezogen – ohne Alternative dastehe, weil es einfach keine gibt, weil es keine schicke App gibt, die Piep-Piep mir einen heißen Kerl vor die Tür serviert und ich mich dann frage, warum es bei all meinen schwulen Jungs aber doch genau so funktioniert – fick ich den nicht, fick ich jenen – dann komme ich immer wieder zum selben deprimierenden Schluss: Fick-Apps für Heteros werden niemals funktionieren. Weil die Frauen entweder tatsächlich keine schnelle Nummer suchen oder zumindest nicht öffentlich dazu stehen würden und die Männer keine Frauen wollen, die offensichtlich nur schnelle Nummern suchen.

Amüsanter Weise verhält es sich sogar mit richtigen Sex-Portalen so. Ich war vor ein paar Jahren mal im Joyclub angemeldet, einer Community, die ganz interessante Gruppen und Infos anbietet zu allen möglichen und unmöglichen sexuellen Vorlieben, und die zudem noch als Vermittlungsstelle für genau das dienen soll, was ich eigentlich will: Sex. Ohne großes Blabla, einfach nur treffen und los geht’s. Nach wenigen Monaten habe ich mein Profil gelöscht.

Ich hatte in der Zeit eine Menge Dates. Nur zwei davon haben überhaupt zu etwas geführt, aber jedes einzelne dauerte stundenlang. Über Hobbies reden und über Musik und ach, du kommst also aus Süddeutschland und oh, Katzen mag ich ja auch sehr und jedes Mal habe ich mich gefragt, wie lange ich das Gequatsche noch über mich ergehen lassen muss und ob es sich überhaupt lohnen wird, all diese Zeit so zu verplempern, denn ich kann ja nicht gleich zu Anfang sagen: Also okay, wir können jetzt hier noch ein Stündchen rumlabern, aber wird dann auch gefickt? – denn dann wäre ich ja langweilig für den Typen, weil er sich damit nicht einreden kann, dass ich ihm und seiner Großartigkeit längst in alle Ewigkeit verfallen bin.

Wenn dann am Ende des Abends kein Gehen wir noch zu mir? kam, sondern sowas wie Du, das war voll schön, lass nächste Woche mal ins Kino gehen, musste ich doch jedes Mal stark mit mir kämpfen, um noch halbwegs freundlich zu bleiben.

Klar, ab und an ist ein Juwel dabei. Es ist ja nicht so, als würde bei mir nie was laufen, Gott bewahre. Ich habe viel und oft Sex, aber eben nicht so viel, wie ich gerne hätte. Und es ist immer wieder ein Kampf und jedes Mal ein Highlight, wenn ich mich in einem Bett wiederfinde, das nicht meins ist und die Stimme in meinem Kopf ganz aufgeregt immer wieder gleichwirdgebumst, gleichwirdgebumst, gleichwirdgebumst!! singt.

Und den anderen Frauen, denen, die ähnlich ticken, die im Moment eher nicht die große Liebe suchen, sondern einfach mal einen Snack für zwischendurch, denen geht es im Großen und Ganzen nicht anders. Da sind Durststrecken von mehreren Monaten völlig normal. Monate!

Ich glaube, dass unsere Gesellschaft nach wie vor viel zu verkorkst ist, als dass sich da irgendwann in absehbarer Zeit etwas ändern könnte. Also bleibt uns nichts weiter übrig, als dankbar zu sein für jeden Mann, der nicht groß rumlabert. Der sein Ego nicht mit Schmachtereien pushen muss, sondern der neben dir an der Bar steht, dich anschaut, dir einen Drink in die Hand drückt und sagt Trink das aus und dann gehen wir! – denn diese Männer gibt es, auch wenn es viel Glück braucht, um sie zu finden.

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31 Gedanken zu “Frauen ficken nicht, Frauen machen Liebe

  1. Pingback: Immer eine Hand am Schwanz | Talking Giants

  2. Also ich zähle mich zwar zur zweiten „Kategorie“ des Titels, aber ich hätte nicht gedacht, dass Frauen aus der 1. es so schwer haben, einfach nur gevögelt zu werden … Ich kenne einige Männer (also drei), die sich genau das wünschen und auch nicht unbedingt einen dategleichen Smalltalk haben wollen …

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Ich weiß, dass es schwer vorstellbar ist, da ja gerade die Liebe-Macherinnen extrem häufig auf Männer treffen, die nur Sex wollen und die dann unter Umständen von großen Gefühlen sprechen und hinterher hat man dann doch alles ganz falsch verstanden und von „Beziehung“ war ja so nie die Rede! Aber das bestätigt ja nur wieder das von mir beschriebene abstruse Paarungsverhalten und macht alles noch verzwickter…
      (Die Telefonnummern deiner drei Bekannten dann bitte jeweils mit Foto und Penisgröße an mich weiterleiten, danke!)

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      • Einer ist in Berlin, einer in Hamburg und einer in Düsseldorf. Nr. 1 Ausstattung kenne ich nicht, Nr. 2 ist schon lange her und Nr. 3 ist so Durchschnitt. Der Hübscheste ist Nr. 2 😉

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  3. also ich möchte zumindest keine Frau, die ich charakterlich total abstoßend finde….. ein bisschen sympathie muss sein. Und da kann man sich ja schon erstmal ein bisschen unterhalten. Smalltalk, themen unwichtig…. es geht darum, festzustellen ob die Chemie auch stimmt. Übers Internet allein, GEHT DAS NICHT! zumindest nicht bei mir.

    Da kann sie noch so geil aussehen.
    Außerdem selbst wenn….. geile Optik, macht einen noch lange nicht zu einem/r guten LiebhaberIn.
    Das kann man aber bei ein bisschen “labern” schon mal abchecken… sprich welche vorlieben der potentielle Partner hat… denn das ist nicht verkehrt, wenn man da übereinstimmt.

    Ansonsten in vielen Punkten sehr gut geschriebener text!

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Danke für das Kompliment 🙂

      Klar hast du recht – direkt über einander herfallen, ohne vorher ein Wort gewechselt zu haben, ist nicht jedermans Sache und hey, es ist auch nicht das, was ich immer will. Aber die Option sollte bestehen und das tut sie (quasi) nie. Zumal ich mit Smalltalk, wie du ihn beschrieben hast, also Vorlieben abchecken zum Beispiel, absolut kein Problem habe. Im Gegenteil – Dirty Talk im Café, bevor’s dann zur Sache geht? Sign me up! Das ist aber halt leider nicht die Art von Smalltalk, die die Jungs so führen, an die ich immer wieder gerate. Leider.

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      • Bitte! Ich finde es lobenswert, wenn Frauen so eine Einstellung haben wie du. Also, das du dazu stehst, einfach auch mal nur „ficken“ zu wollen. Wie du schon sagst, Frauen verbieten sich selber oft, zudem zu stehen was sie wollen, wenn es um Sex geht. Da man ihnen beigebracht hat ein „anständiges“ Mädchen sein zu müssen.
        Nicht nur im Hinblick, schnell und unkompliziert Sex mit einem Typ zu haben der ihnen gefällt… sondern auch das sie beim Sex eher verhalten sind. Thema „nicht ficken, liebe machen“
        Als ob sie ihre wilde, versaute, animalische Seite unterdrücken… damit es eben kein Ficken, sondern liebe machen bleibt 😛
        Schade drum, denn Frauen die diese Seite erkennen und beim Sex entfesseln sind selten. Aber mit denen kann man einfach gigantischen, leidenschaftlichen Sex haben…. ich sag immer: Sex ist nur schmutzig, wenn er richtig gemacht wird!

        Hmm… also gegen den Dirty-talk im cafe hätt ich auch nichts. Hört sich sehr toll an! Nur geb ich zu, bei einer NOCH Unbekannten, müsste schon eine art wink mit dem zaunpfahl kommen ,damit ich merk sie ist dafür offen.. oder sie fängt ganz direkt selber damit an. Dann denk ich mir; „Super, das scheint eine selbstbewusste, lustvolle frau zu sein. Was ein Volltreffer!“

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  4. al schreibt:

    ein paar gedanken.
    1. was passiert, wenn du direkt beim smalltalk date ansprichst „ok aber sollen wir jetzt nicht mal ficken/ zu mir/zu dir fahren“? hast du es schon mal probiert?

    2.viele falsche männer, klar es ist nicht leicht, die passenden für einen zu finden, aber das ist es bei frauen auch nicht. [dieser spruch „das war jetzt aber ne einmalige sache“ ist so ziemlich das ekeligste was ich mir vorstellen könnte zu sagen (und zu hören, da hast du recht))

    3.so wie ich gehört habe, suchen viele bei tinder nur nach sex. ich würde dir vorschlagen, dass du das tempo von dir aus erhöhst. die männer die wollen werden drauf einsteigen und die die nicht wollen nicht. männer werden bei sowas von sich aus vorsichtiger sein, es sei denn sie sind echt komische typen, weil das klische, dass männer nur sex wollen in den köpfen so sehr sitzt, dass die sich ekelhaft sind es ausleben und die die gut sind, sich zurückhalten werden.(und dann gibt es noch 1% die wissen werden, wie sehr sie das tempo anziehen können, je nach situation)

    4.dass männer keine sexaffären wollen sondern potenzielle beziehungen, die immer von ihnen verneint werden, stimmt aus meiner erfahrung nicht -siehe punkt 2- genauso tut es mir leid dass du rasiert und parfümiert von deinem sexdate sitzen gelassen wirst. das ist kein gentleman – das nächste mal melde dich bitte bei mir 😉

    viel erfolg

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  5. Johannes schreibt:

    Ich bin schon ein paar Jahre länger auf der Piste und schätze, dass ich mich anzahlmäßig auch im dreistelligen Bereich bewege. Doch ich hatte genau fünf ONSs in meinem Leben. Warum? Weil ich, wenn ich es mit einer Frau gut finde, diese auch ein zweites , drittes oder 50stes Mal ficken will. Ich habe den grösseren Teil meines sexuellen Lebens in (offenen) Beziehungen gelebt. Die meisten Frauen, mit denen ich zusätzlich zusammen war, lebten ebenfalls in ebensolchen. Dabei spielte das Alter eine untergeordnete Rolle. Letztens habe ich Nachgerechnet und kam drauf, dass die Altersdiskrepanz zwischen meinem jüngsten (übrigens: niemals Minderjährige!) und ältesten Sexualpartner ca. 70 Jahre beträgt. Doch es gibt einen gewissen emotionalen Standard, der für mich zählt. Dieser beinhaltet, dass ich sehr liebesfähig bin und dies auch mit meinen Partnerinnen leben mag … doch die Konsequenz der Gefühle ist eine andere als die der Monogamisten. Durch meinen Lebensstil kenne ich daher einige Frauen, die sexuell sehr selbstbestimmt und frei leben. Auch solche, die gern und häufig einfach ficken wollen. Das ist natürlich nicht die Mehrheit. Doch wenn Dir solche Frauen oder dazu passende Männer wirklich so selten begegnen, dann denke ich, dass Du Dich nicht in den richtigen Kreisen bewegst. Man findet diese Menschen natürlich nicht im Netz. Man muss sich outen und dann begegnen sie einem. Es gibt mehr als man denkt. Ich war übrigens früher bisexuell und kann daher sagen, dass diese legendäre ‚Offenheit‘ der schwulen Männer (vom Darkroom bis zum Klappe) eher mit einem emotionalen Manko als mit einem emanzipierten Sexleben zu tun hat. Dennoch schade, dass wir uns nie begegnet sind! Liegt vielleicht daran, dass ich in den letzten 25 Jahren nicht mehr in Schwulen-Bars war.

    … und ich schliesse mich an: Der Text ist sehr ansprechend!

    PS: Swingst Du? In Swingerclubs müsstest Du doch auf Deine Kosten kommen!

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Hi Johannes, Swingerclubs sind aus zwei Gründen nix für mich. Erstens, weil da andere Frauen sind. Andere Frauen könnten mir meine Beute klauen, das mag ich nicht. Zweitens bin ich beim Sex gern allein. Also zu zweit allein. Maximal zu dritt allein, aber wenn da jemand kommen und stören würde, wäre meine Stimmung dahin und allein die Vorstellung ruiniert meine Libido nachhaltig.

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      • Johannes schreibt:

        Hm. Also ich möchte hier nicht für Swingerclubs werben. Ich bin da auch eher selten. Doch meiner Erfahrung nach kann man dort sehr gut allein und ungestört sein. Doch nicht jede/r mag die Atmosphäre. Und das mit der weiblichen Konkurrenz hält sich auch in Grenzen. Ausserdem kann man ja sehr gut nacheinander die gleiche ‚Beute‘ jagen. Aber sag mal: Was denkst Du über meine anderen Bemerkungen? Würde mich echt interessieren. Grüsse!

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  6. BerlinBerlin schreibt:

    Hi liebe Verfasserin! Ein sehr ehrlicher und cooler Text! Ich kann dich gut verstehen und an der ganzen Sache ist tatsächlich was dran…Du hast mich sogar dazu animiert kurz vor 3 Uhr nachts meine Gedanken zu teilen. Schau mal, aus meiner männlichen Perspektive ist es so: JEDES mal, und es kommt am Tag sehr oft vor, wenn ich eine attraktive Frau sehe, denke ich unmittelbar daran, wie gern ich sie doch ganz unverbindlich ficken würde und fange an schön alles auszumalen. Ich suche sogar die Konfrontation mit Frauen, die ich heiß finde: ich laufe durch die s-Bahn bis ich eine finde die mir gefällt, um mich neben ihr zu setzen. In der Bibliothek suche ich einen Platz gegenüber einer geilen Frau, sogar wenn ich mal ne Kippe schnorren will – am liebsten von ner heißen braut. Warum ich es tue? Na weil ich bewusst/unterbewusst hoffe, dass aus der Situation was spontanes, dreckiges mit der fremden unbekannten entsteht. Doch schon mal im Vorfeld: wie du es dir bestimmt schon denken kannst – tut es nicht! Dabei bin ich Mitte 20, attraktiv, nicht auf den Kopp gefallen und mit 1,90 ganz gut gebaut… Nun was tun?! Variante 1) Das ganze lange Spiel anfangen. Rumschreiben, irgendwo treffen, hoffen das man endlich im Bett landet…komplex, mit Unsicherheit verbunden, kurz gesagt zu belastend – meistens kein bokk, außer sie flasht mich durch und durch! Variante 2) Die Frau ist dominant und ergreift tatsächlich die Initiative: hab mich erst heute wieder dabei erwischt, wie abschreckend es für mich ist. Ich?! Geklärt werden?! Ganz komisches Gefühl, führte zum Rückzug. Wobei paradoxerweise jeder Mann, mich eingeschlossen, davon träumt von einer Frau zum ficken eingeladen zu werden… Doch wenn es dazu mal kommen sollte… Naja dann wird’s komisch, wie du es schon festgestellt hast… Variante 3) Dein Vorschlag! Ein Mal hab ich es gebracht. Nach ner Feier. Im Bus. Ziemlich angetrunken. Sie erstmal baff, dann hat sie gegrübelt und am Ende zugestimmt. Aber auch nur weil die Umstände passten, denk ich. Habe es bis jetzt für eine Ausnahme gehalten. Gehört etwa nicht ein kamikaze-gen dazu eine fremde Frau so direkt aufs ficken anzusprechen? Wird sie sich nicht, in meisten Fällen, wie ein Objekt vorkommen und den Mann auslachen, verachten, für pervers halten, was auch immer ?! Denken viele so wie du? Ich meine ich würde es liebend gerne immer so machen, wenn ich wissen würde was sie denkt und wie sie damit umgeht (Anzeige wegen sexueller Belästigung ist bestimmt nicht so der Hit…) Aber „- bokk auf Ficken? – Ja na klar, warum denn nicht?!“ Würde vieles einfacher machen, wie am anderen Ufer halt. Du bist die erste Frau, die mich dazu ermutigt… Cool

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Freut mich, wenn ich dir Mut gemacht habe, das kommt ja dann auch den Frauen zugute, die so ticken wie ich. Und das ist dann auch schon meine Antwort: du musst ein Gespür dafür entwickeln, wie die Frau drauf sein könnte. Klar, mit hundertprozentiger Sicherheit kann man das nie sagen und Fehlgriffe werden sich nicht vermeiden lassen, aber – es lohnt sich doch! Vielleicht nicht völlig unvorbereitet drauflos baggern, sondern per Blickkontakt ausloten, ob da was gehen könnte. Da kannste deine Intuition nutzen und ganz ehrlich: Ohne vorherige Interessensbekundung angequatscht zu werden, geht uns so oder so auf den Sack.

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    • Ich unterstelle mal konsequent, dass Leser in der Regel einen Text nicht nach seiner Länge, sondern nach seinen Inhalten messen. Ginge es nämlich nach Länge (& im Maßstab des Vögelns), wäre es sowieso besser, der ein oder andere würde schlafen statt lesen. 🙂

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Ich liebe deinen Kommentar, der könnte von mir sein. Knapp, direkt, hedonistisch! Wäre der zweite, der mit dem kurz-dick-lang-dünn nicht gewesen, hätte ich dich sehr gefeiert. Schade eigentlich… Trotzdem: köstlich!

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  7. LowLow schreibt:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich dieser Text grade sehr beeindruckt hat. Ich bin noch jung, – auf die 19 gehe ich zu um genau zu sein – und ich stelle jedes mal fest, daß mir dieser dauer Sex mit einem nicht Spaß macht. Doch ich rede mir immer wieder ein dass das nicht normal ist und es auf eine Beziehung hinaus laufen muss! – sonst waere es doch ein schlampiges verhalten -. Vorallem jetzt in meiner Altersgruppe, koennen sich viele Maedchen bzw. Frauen nicht vorstellen einen ONS zu haben.

    Ich traue mich das oft auch nicht dem anderen Ufer mit zuteilen, allein schon aus dem Grund das geredet wird. Von wegen „die ist voll leicht zu haben“.

    Wenn es doch so einfach waere..

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Hach Lowlow, danke für deinen Kommentar, da geht mir das Herz auf! Mir ging es damals ganz genauso beziehungsweise ja teilweise immer noch. Ich kann dir nur sagen, dass es besser wird. Einfacher. Und es wird dir (hoffentlich) auch immer egaler, je älter du wirst.

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  8. Hi mademoiselleduchamp! Dein Text ist knorke, weißte selber. Ich betreibe mehrere schnell wachsende YouTube-Kanäle, auf denen ich Männern authentische Flirttipps gebe und sie dazu motiviere, Frauen anzusprechen und Schritte zu machen. Dein Beitrag hier ist PERFEKT für ein Video. Das können wir anonym (du mit dem Rücken zur Kamera) oder auch offen machen. Auf jeden Fall würde ich mich freuen, wenn du deine Weisheit und vor allem deine Einstellung mit einem breiten, heterosexuellen, männlichem Publikum teilst. (insofern Alexander nichts dagegen hat) Add me on Facebook fb.com/manuelpicongonzalez oder sende mir eine Mail: Kontakt[at]manuelgonzalez.de – Alles zunächst unverbindlich.

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  9. Michael schreibt:

    Ich glaube die gute Frau hat einfach nicht genug Geld für einen entsprechenden Prostituierten. Bei der genannten Anzahl an Geschlechtspartnern dürfte sie ja keine Ekelgefühle diesbezüglich mehr haben. Ein gesellschaftliches Problem ist der hier angesprochene Mangel an Kultur und Zivilisation im Miteinander jedenfalls nicht.

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    • Sehr interessante Verknüpfung von „Kultur“, „Zivilisation“ & einer promiskuitiven Gesellschaft. Etwas zu christlich, für meinen Geschmack, & auch ein wenig zu dogmatisch – oder weshalb die Gleichsetzung mit der Prostitution? Des Weiteren: Ekel? Das verlangt geradezu eine weitere Erklärung.

      Was die „gute Frau“ jedenfalls betrifft, & so greife ich ihr vielleicht auch ein wenig vorweg, so spricht sie hierbei m.E. nicht von Quantitäten, sondern von der Divergenz zw. männlich & weiblich dominierter Sexualität.

      Abgesehen davon hab ich das Prinzip der Prostitution vielleicht auch einfach grundsätzlich anders verstanden.

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    • mademoiselleduchamps schreibt:

      Lieber Michael.

      Vielen Dank für deinen Kommentar, auf so einen habe ich seit Montag händeringend gewartet. Gut, ein paar Fehler hast du eingebaut. So verstehe ich zum Beispiel noch nicht den Zusammenhang zwischen Prostitution und Ekelgefühlen. Findest du Prostituierte eklig?

      Dann unterstellst du mir auch, dass ich ob der Anzahl meiner bisherigen Sexualpartner ja keinen Ekel mehr haben dürfte. Damit diskreditierst du dein eigenes Geschlecht ganz schön: denkst du, dass es so wenige attraktive Männer gibt, dass da auf jeden Fall ein paar Widerlinge dabei gewesen sein müssen? Klar habe ich nicht nur mit Models gebumst. Also auch, aber nicht nur. Dennoch würde ich keinen der Männer, mit denen ich Sex hatte, als „eklig“ bezeichnen, im Gegenteil!

      Allerdings – und darum habe ich mich so stark und so ehrlich über deinen Kommentar gefreut – bestätigst du genau das, worum es in dem Text geht! Ich habe in den letzten drei Tagen sehr viel Feedback zu meinem Text erhalten und es war durchweg zustimmend. Auch wenn viele meine Meinungen nicht teilen, so fühlen sie sich doch angesprochen oder sind interessiert oder fanden es toll, eine neue Perspektive kennenzulernen. Das ist ja alles schön und gut, aber damit widersprechen sie meiner Aussage! Gerade die Männer. Die, die sagen „cool, dass du so denkst“ und „toll, dass du so ehrlich bist“ und am Ende noch die „so eine Frau such ich“ – ich freu mich darüber und zwar sehr. Aber das zerstört doch meine ganze Theorie und macht meinen Text hinfällig und der Finger schwebte also schon auf der Delete-Taste und dann kamst du mit deinem Kommentar und hast mich gerettet, indem du jedes meiner Worte bestätigt hast.

      Danke Michael, mein Held, mein Ritter – danke!

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      • Michael schreibt:

        Ja so bin ich. Das Edle in Person. Auch wenn ich mich schon frage, warum nun gerade meine Kritik und mein Infragestellen der Berechtigung des Artikels für dich Grund sind, ihn nicht zu löschen.

        Ekel und scham (also auch moralisch gesehen) sind glaube ich die häufigsten Gründe, warum Menschen nicht zu Prostituierten gehen. Ekel nicht nur vor Geschlechtskrankheiten sondern auch vor der Banalisierung, Serialisierung und Trivialisierung von Sexualität. Scham vor der moralischen Frage ob Sexualität und Geld zusammenpassen, davor, was das mit mir macht und was der andere dadurch wird. Grundsätzlich aber gibt es keinen Unterschied zwischen dem Besuch eines Prostituierten und dem, auf das der Artikel hinaus möchte: unkomplizierter Sex.

        Der Artikel ist eben genau deshalb hinfällig, da Promiskuität und sexuelle Freizügigkeit bereits gesellschaftlich stark verarbeitete Themen sind für die es auch feste Plätze gibt.

        Dass du dir einen hübschen und somit für dich nicht ekligen Sexualpartner aussuchst habe ich schon voraus gesetzt. Der Ekel vor der Prostitution (s.o.) ist bei vielen nicht die Anziehungskraft der Prostituierten sondern eben genau die schiere Anzahl der Sexualpartner von Prostutierten. Dieser Ekel ist sicherlich teilweise auch irrational, teilweise aber auch durch z.B. die Entdeckung von Aids begründet worden. Der Satz „wer zweimal mit der gleichen pennt, gehört schon zum Establishment“ ist vermutlich älter als du, aber stammt eben aus einer Zeit wo man solche Ekelgefühle abgelegt hatte.

        Der Artikel ist auch hinfällig, da grundsätzlich das Thema der zwischenmenschlichen Komplikation heutzutage immer gegeben ist. Es gibt heute keine Konvention und viel Unsicherheit. Das sollte eigentlich allen bewusst sein. Sich beim kleinsten gemeinsamen Nenner zu treffen, also dem Sexualtrieb, erscheint deshalb eher als ein Ausdruck des Verlusts von Konvention und Kultur zugunsten von Biologie. Das ist eine Forderung die ich persönlich für sehr bedenklich halte, da sie den Menschen reduziert und doch eigentlich in seinem Wesen als Dualität von Natur und Kultur nicht wertschätzt.

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  10. Liebhaber schreibt:

    Liebe von Sex- Armut gepeinigte Verfasserin.
    Ich frag mich grad wie attraktiv du eigentlich bist. Oft erzählen mir Damen, dass sie eher als Kumpeltyp wahrgenommen und eben nicht mit nach hause genommen werden. Dabei fällt dann auf – und das fällt mir gar nicht so leicht ehrlich zu kommunizieren – dass sie sich zwar schön zurecht gemacht haben, aber einfach nicht darauf achten was für Männer anziehend wirkt. Ordentlich gefickt werde wollen ist das eine, aber das schöne am Balzverhalten ist doch immer noch dem potentiellen Partner und sich selbst das deutliche Gefühl von Weiblichkeit bzw. Männlichkeit zu schenken. Die Situationen die du beschreibst klingen als ob du das Potential zu etwas sehr starken Ursprünglichen und Sinnlichem durch einen destruktiven Blick auf die Männer verstellst. Das erinnert mich an die Männer, für die alle Mädchen außer Mutti nur Bitches sind, und die von den Frauen selbsterfüllend wirklich so behandelt werden. Ich frage mich also – und das ist nicht persönlich gemeint – ob dass was du beschreibst wirklich als Zeitdiagnose für das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Großstädter gelten kann, sondern nicht eher einem entfremdeten Blick auf die eigene Sexualität entspricht.
    Wünsche allseits ein ausgefülltes SexLeben.

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  11. Sebastian schreibt:

    Das ist der coolste und ehrlichste Text, den ich seit jeher von einer Frau gelesen habe…Hammer…Wenn doch nur jede Frau so wäre…Dann wäre die Welt wesentlich einfacher und Männer müssten kein Geld mehr für Sex ausgeben (im Puff), weil es ja so schwierig ist Frauen aufzureißen…

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